Posted in Stimmen zu: Città morta on Dezember 28, 2011SPACE BY Administrator
Der Standard - "Eine römische Schule des Sehens"
Jürgen Lagger geht mit seinem Roman "Città morta" formal und inhaltlich ein Risiko ein - und gewinnt .
In Thomas Manns Novelle Tod in Venedig denkt die Hauptfigur Aschenbach, "dass beinahe alles Große, was dastehe, als ein Trotzdem dastehe, trotz Kummer und Qual, Armut, Verlassenheit, Körperschwäche, Laster, Leidenschaft und tausend Hemmnissen zustande gekommen sei". Wobei der alternde Schriftsteller Gustav von Aschenbach, der in der Novelle dem jungen Tadzio nachstellt, weniger besagtem Heroismus der Schwäche frönt als danach trachtet, sich als Schreibender zur "Herrschaft im Reiche der Schönheit" aufzuschwingen.
Um Schönheit, Gegenwärtigkeit und Vergänglichkeit geht es auch in Jürgen Laggers Roman Città morta (edition laurin bei innsbruck university press), der im allerersten Satz ein Zitat aus Manns Tod in Venedig aufnimmt: "Mir ist, als lasse sich nicht alles ganz gewöhnlich an."
Posted in Stimmen zu: Città morta on Juli 30, 2011SPACE BY Administrator
fm4 - "Die Stadt, die ewig schläft"
Der Tod ist eines der zentralen Motive in der Kunst. Das dritte Buch von Jürgen Lagger zollt ihm bereits im Titel Tribut.
Cittá Morta, die tote Stadt, nennt der Villacher Autor seine Aufzeichnungen aus dem Leben eines Flaneurs. Der wandert durch Rom, durch die engen Gassen und großen Touristenorte der ewigen Stadt.
Mir ist
als lasse sich nicht alles ganz gewöhnlich an
(das ist nicht von mir)
als beginne eine träumerische Entfremdung, eine Entstellung der Welt ins Sonderbare um sich zu greifen,...
Ein Zug fährt ein. Und man steigt aus. In Rom. "In welchem Chaos bin ich hier gelandet?", brüllt einem der Ich-Erzähler gleich entgegen. Mopeds knattern, das Leben brummt. Schatten auf schäbigen Wohnungswänden und Menschentrauben vor dem Fontana di Trevi.
Posted in Stimmen zu: Città morta on Juni 28, 2011SPACE BY Administrator
Pride - "Eintauchen und Spüren"
Jürgen Lagger ist einer der Verleger des Luftschacht Verlags und selbst Autor und führt seinen namenlosen Ich-Erzähler durch die Innenstadt Roms. Ein kompakter, vielschichtiger lyrischer Roman, der das schwule Begehren, Suchen und das Entdecken einer Stadt, des eigenen Körpers oder von Männern auch sprachlich vielschichtig umsetzt. Angelehnt an Thomas Manns "Tod in Venedig" geht der Blick aber tief in den Körper der Stadt, die touristische Oberfläche erscheint wie im Traum. Der poetische Blick sucht und findet auch an vielbesuchten Plätzen der Stadt immer auch intime Orte. Für Josef Winkler ist Jürgen Laggers Roman "eine feinkristallene Prosa". Ein Buch zum Eintauchen und Spüren.
("Pride", Nr. 122, Juni 2011)
Posted in Stimmen zu: Città morta on Juni 26, 2011SPACE BY Administrator
Vorarlberger Nachrichten - "Rom sehen und schreiben"
Ein Buch über Rom oder etwa Venedig zu schreiben, bedeutet immer auch eine Auseinandersetzung mit Vorbildern und Vorurteilen, mit Klischees und überhöhten Bildern, ein klein wenig auch mit einem Mythos. Wie man dennoch einen ganz eigenen Zugang zum Thema schaff en kann, zeigt Jürgen Laggers neues Buch „Cittá morta“. Allein formal wagt der Roman, der auch als Flaneurbuch eines streunenden Besuchers gelesen werden kann, den Versuch, einen ganz anderen Blick – abseits touristischer Stereotypen – auf die Ewige Stadt zu werfen. Erzählt wird diese Reise auf mehreren Ebenen, die auch typografi sch voneinander abgehoben sind, das bloße Beschreiben, das Beobachten und durch eine Innensicht, die das Beschriebene noch reflektiert.
Posted in Stimmen zu: Città morta on Juni 19, 2011SPACE BY Administrator
Die Presse - "Nur noch Teil des Vorspiels"
Im Jahr 2006 zeichnete eine Jury des Kärntner Schriftstellerverbands, der Josef Winkler und Engelbert Obernosterer angehörten, Jürgen Lagger für einen Text mit dem Titel „Città morta“ aus. Fünf Jahre später legt der 1967 in Villach geborene Autor nun einen Roman mit diesem Titel vor. Ohne Kenntnis des Preistextes lässt sich nicht beurteilen, ob diese lange Latenzzeit dem Buch gutgetan hat. Sie mag mit dem zweiten Standbein des Autors zu tun haben, der als Verleger 2003 den Luftschacht Verlag ins Leben rief und mit Entdeckungen wie Sylvia Geist, Hanno Millesi oder Johannes Weinberger im heimischen Literaturbetrieb fest verankerte.
Posted in Stimmen zu: Città morta on Mai 01, 2011SPACE BY Administrator
Literaturhaus Wien - "Leiblichkeit zu Tableaus in Miniaturform aufgeschichtet"
Sechs Jahre nach seinem außergewöhnlich beeindruckenden Roman „Öffnungen – Ein Maßnahmenkatalog“ legt der 1967 in Villach geborene Autor und Verleger (Luftschacht Verlag Wien) Jürgen Lagger im Titel neuerlich eine falsche Fährte: Strebte sein einsamer Held damals eine Selbstverschließung in extremis an, so erweist sich das zeitgenössische Rom im aktuellen Roman, der eher einer Novelle gleicht, als das Gegenteil einer „Città morta“ – wiewohl der Tod eine Rolle spielt.
Posted in Stimmen zu: Città morta on April 04, 2011SPACE BY Administrator
Südtiroler Tageszeitung - "Seelengebäude aus Lyrik-Lego"
Rom ist vermutlich eine ganz seltene Stadt, sie ermöglicht es nämlich wirklich jedem, völlig vereinzelt und in Einzelhaft darin auf- und abzutreten. Jürgen Lagger lässt unter dem Titel Città morta keinen Zweifel aufkommen, hier betritt jemand die Stadt, um darin zu sterben.
Am Hauptbahnhof wird der Erzähler in die Stadt gespült und sofort von zwei Leitmotiven festgekrallt: Wie können mich die ewig gleichen Motive dieser ewigen Stadt fesseln? Wie kann ich in dieser zeitlosen Stadt Fuß fassen.
Die Antworten werden in einem lyrischen Parforce-Ritt durch alle Führer, Ratgeber und historischen Unterlagen gegeben, die Sätze verkrümeln sich zu einem Sekundenstil und schlagen dann wie Peitschenhiebe aus dem Text zurück. Dabei ist der Zugang zu diesem Seelengebäude aus Lyrik-Lego so knapp und einprägsam, wie es vielleicht in Rilkes Cornet zugeht.